Sie sind überall
Ich bin heute in die Falle getappt. Am Dortmunder Hbf. Hätt ich mal die Augen besser aufgehalten:
Er: Ach, lang nicht gesehen, na, alles klar? Ich komm grad von meiner Uni. War schon seit zehn heute morgen da, superlanger Tag.
Ich: Ja, ich auch.
Er: Aber eigentlich ist der Montag bei mir ja auch viel länger. Und außerdem mache ich ja jetzt Zwischendiplom.
Ich: Aha.
Er: Ja, Werbeanzeigen für Firmen entwerfen. Im Gegensatz zu allen Anderen hab ich`s voll einfach. Die Firma die ich vorstelle gibt’s nämlich nicht.
Ich: Dafür haben alle Anderen einen Praxisbezug und Ansprechpartner in der Wirtschaft, oder irre ich mich da?
Er: Ja, nee. Ich hab ja auch ´nen Ansprechpartner, die Firma gibt es, aber das ist, naja, schwer zu erklären.- Na toll, jetzt noch Zug fahren. Ich zahl jeden Monat 100 Euro fürs Ticket. Wenn man mal meine Semestergebühren und alles zusammenrechne, ist das ja auch schon ein bisschen mehr.
Ich (nun hektisch die Gleise nach dem heranschleichenden Zug abscannend): Aha.
Er: Ja, so 700€ im Monat, das ist schon etwas. Und dann noch Auto und so jeden Monat. Aber meine Eltern sagen ja „Junge, das geht klar.“ Dann kann man ja auch mal mehr ein bisschen mehr aufn Tisch legen, was meinst du?
„Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ aus dem Hessischen Landboten konnte ich leider nicht mehr zitieren. Ich hatte mehr Glück, der Zug kam und legte einen Schleier über den eventuellen Ausgang dieses Gesprächs. Ich bitte, mit triefender Nase und bettelnd auf Knien, um Tipps und Anregungen, wie man Dummschwätzern, Großmäulern und Kleinschwänzen wie diesem Angeber erfolgreich und dauerhaft aus dem Weg gehen kann, ohne später von einem über[tunte]n VW Polo überrollt zu werden.


1 Comments:
Wir sind alle hilflos und jeder hat Angst ihm im Zug zu begegnen! Du bist nicht allein!
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